ie Dechenbrüder in Lügde nennen sich heute Dechenverein, und dieser hat rund 500 Mitglieder, die den Osterräderlauf organisieren und durchführen.
Die Ursprünge der Dechenbrüder sind nicht genau zu benennen; es wird angenommen, daß der Name auf eine mittelalterliche Handwerksguilde - die Dechen - zurückzuführen ist.
Früher waren die Dechenbrüder in drei Gruppen aufgeteilt. Jede ließ ihre Osterräder von verschiedenen Hängen in Lügde herabrollen. Heute sind die Dechenbrüder in eine Gruppe zusammengefaßt, die nur noch von einem Hang, dem Osterberg, die Räder laufen läßt. [Für Details siehe unter: "Moderne Geschichte"]
Das Material, das in die Osterräder gestopft wird, ist eine besondere Art von gedroschenem Roggenstroh, das ungewöhnlich lang ist. Früher wurde es von den Bauern in Lügde angeliefert. Doch das Stroh der Dreschmaschinen, die heute in der Landwirtschaft eingesetzt werden, ist zu kurz, um es in die Räder einzuflechten. Um dennoch die passende Länge und Qualität zu bekommen, dreschen die Dechenbrüder ihr Stroh selbst, indem sie eine 50 Jahre alte Dreschmaschine benutzen und das Stroh in Handarbeit in Garben bündeln.
Bevor das Stroh in die Räder gestopft werden kann, wird es in handgroße Büschel aufgeteilt und mit Haselnußruten verflochten, die vorher viele Male gedreht werden müssen, damit sie elastisch und geschmeidig genug sind, um das Stroh zusammenzuhalten und es fest genug in die Räder einzuarbeiten.
Diese Arbeiten werden sehr sorgfältig gemacht, weil das brennende Stroh auf keinen Fall aus dem Rad herausfallen soll, wenn dieses den holperigen Hügel hinunterrollt.
Vier Dechenbrüder brauchen ungefähr 45 Minuten, um ein Rad mit 120 kg des speziell vorbereiteten Roggenstrohs zu füllen.
Der Tradition entsprechend, sind die Räder handgemacht, aus frisch geschlagenem Eichenholz. Früher stellte sie ein Stellmacher her, heute muß man auf die Fertigkeiten eines Tischlers zurückgreifen, denn der Beruf des Stellmachers ist ausgestorben.
Jedes Rad ist ungefähr 1,70 Meter im Durchmesser, fast 28 cm dick und wiegt rund 270 kg. Der Radlauf besteht aus 48 Einzelteilen, die mit Stahlbolzen in vier Schichten zusammengefügt werden. Die Radspeichen sind aus zwei gekreuzten Holzbohlen gefertigt, in deren Schnittpunkt ein etwa faustgroßes Loch gebohrt wird. Durch dieses Loch wird ein Balken von 4,50 Metern Länge geschoben, der das Rad im Gleichgewicht halten und verhindern soll, daß es auf seinem Weg ins Tal umfällt.
Vor jedem Osterlauf werden die Räder in den kleinen Fluß Emmer getaucht, damit sie sich mit Wasser vollsaugen. So wird verhindert, daß die Räder Feuer fangen, wenn sie brennend das Tal hinunterrollen.
In jeden Radkranz ist eine Inschrift geschnitzt. In der Vergangenheit trugen die Räder oft christliche Botschaften, zum Beispiel: "Zum Lobe, daß Du erstanden bist im Glanze, Herr Jesus Christ, lauf ich heute ins Mariental, in Zukunft auch noch manchesmal."
In den letzten Jahren, getragen durch den Geist der Zeit, enthielten die Inschriften auch bissige politische und soziale Botschaften. Ein Rad von 1951 trägt die Inschrift: "Sechs Jahre nach Kriegsleid, immer noch friedlose Zeit", ein Rad von 1954: Lauf für Deutschlands Einigkeit, lang genug ist es entzweit", und eines von 1968: "Völker der Welt, bekämpft Haß und Neid, dann ist Frieden für alle Zeit!"
Von Zeit zu Zeit müssen die Räder ersetzt werden, und die ausgedienten werden verschiedenen deutschen Museen gestiftet, wie etwa dem Museum in Kiel, dem Museum für Deutsche Volkskunde in Berlin, dem Heimatmuseum Hannover, dem Freilichtmuseum Detmold und dem Heimatmuseum in Lügde selbst.

