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ährend der ersten Jahrhunderte des Christentums entwickelten sich die deutschen Stämme vom Hirtenvolk zu einer einfachen bäuerlichen Gesellschaft. Ihre Religion unterstützte ihre ökonomischen Interessen, ihr Glaube war auf die Kräfte der Natur gerichtet, die ihr Leben bestimmte. [siehe auch Ursprünge der Osterräder] Weil das Phänomen der Osterräder schon im heidnischen Kalender als Ostaras Fest vermerkt ist, nimmt man an, das es mindestens 2000 Jahre alt ist.
Der Volksheld Hermann Arminius, ein Cherusker, vereitelte die Pläne von Kaiser Augustus, das Römische Reich vom Rhein bis zur Elbe auszudehnen. In einem entscheidenden Gefecht Jahre neun neuer Zeitrechnung besiegte er am Teutoburger Wald in der Nähe von Lügde die römische Armee. Das hatte zur Folge, daß die deutschen Stämme im Herrschaftsgebiet der Sachsen von der Verbreitung des Christentums ausgeschlossen waren, die, ausgehend vom römischen Reich, im 3.Jahrhundert neuer Zeitrechnung begann. Deshalb blieb der Osterräderbrauch als ein heidnisches Fest für einige Jahrhunderte erhalten.
Im 4.Jahrhundert waren die deutschen Stämme überall auf Wanderung und bildeten eine Reihe unabhängiger Königtümer auf römischem Boden. Die deutschen Stämme waren unter der Führung von Chlodwig ( 481-511) neben den Franken die dominierende Kraft in Westeuropa. Chlodwigs Königreich umfaßte den Niederrhein, Gallien und Burgund.
Chlodwigs Hinwendung zum orthodoxen Christentum, der die Christianisierung seiner Untertanen folgte, stellte sicher, daß die christliche Religion zu einer entscheidenden Macht in seinem Reich wurde. Die Stadt Lügde und ihre Umgebung gehörten allerdings zum fränkischen Königreich. Es ist unwahrscheinlich, daß das Christentum bis in diese Region vordrang. Das änderte sich durch Bonifatius, einem englisch-sächsischen Benediktinermönch, der 719 begann, östlich der fränkischen Grenze die "Ungläubigen" zum Christentum zu konvertieren.
Karl der Große (742-814)
Im 8.Jahrhundert entwickelten sich die Karolinger zur neuen Herrscherfamilie in Franken. Unter der Führung von Karl dem Großen wurde Sachsen letztendlich erobert und dem fränkischen Kaiserreich zugeschlagen.
Die fränkischen Heere brauchten 30 Jahre, um die "heidnischen" Sachsen zu besiegen und zu christianisieren.
Karl der Große greift die "Heiden" in Sachsen an
"Aus seiner Perspektive als ein christlicher König mit der von Gott gegebenen Verantwortung, die Kirche in ihrem Auftrag zu unterstützen, die Seelen zu retten,
war das religiöse Leben der vorrangige Faktor, um Übereinstimmung und Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Er befürwortete das Ausdehnen des Christentums, auch durch gewaltsames Niederzwingen Widerwilliger, wie die Sachsen, um sie zu taufen."
Zitat aus: A Short History of Western Civilization Hg: J.B. Harrison, R.E. Sullivan, D.Sherman, 1990
Alte Überlieferungen berichten, daß Karl der Große Weihnachten 784 Lügde besuchte, und daß ihm von dem lokalen Brauch der Osterräder erzählt wurde. Da er wußte, daß ein Verbot viel Widerstand hervorgerufen hätte, erlaubte er den Neuchristen, ihren alten Brauch fortzusetzen. Er richtete sich nach von der Kirche geschaffenen Präzidenzfällen, und veränderte das "heidnische" Fest im Sinne des Christentums. Der Osterräderlauf verwandelte sich in ein Fest zur Wiederauferstehung Jesus Christi, und die Räder selbst wurden verändert, indem die Speichen eine Kreuzform erhielten.
Die in die Radfelgen geschnitzten Inschriften haben seitdem den Bedeutungswandel des Brauches wiedergegeben. Auf einer ist zu lesen: "Heute rolle ich zum ersten Mal hinunter ins Marienthal, im Namen von Jesus Christus, der die Welt erlöst hat"
So kam der Osterräderbrauch zu seinem christlichen Anstrich.
Trotzdem blieben viele vorchristliche Symbole erhalten, wie etwa das "Jahresrad", oder seine Variante, das "Glücksrad". Viele der rosen- und radförmigen Fenster damaliger Kirchen und Kathedralen wurden auf der Basis dieser "heidnischen" Symbolen entworfen.
Das rosenförmige Fenster im nördlichen Querschiff der Kathedrale in Chartres in Frankreich,1221
Auch Skulpturen, die die frühen Kirchen geschmückt haben, enthalten die Bildersprache der "Heiden". Frühmittelalterliche Schreiber notierten, daß in Kathedralen und königlichen Abteien das vorchristliche Rad deshalb Raum bekam, weil die Bildhauer diese Symbole der Ketzerei absichtlich in ihre Skulpturen einarbeiteten.
Christliche und vorchristliche Bildsymbolik
Der Prophet und das mystische Rad
c 1132
 
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