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edes Jahr zu Ostern, nach dem ersten Vollmond im Frühjahr, kommen mehr als 20.000 Menschen in die kleine Stadt Lügde in Deutschland, um Zeuge des geheimnisvollen Laufs der Osterräder zu sein. Dort, auf den über der Stadt thronenden Hügeln, in der sich zusammenziehenden Dämmerung, wird ein obskurer, dramatischer alter Brauch wiederbelebt. Sechs enorm grosse, mit Stroh ausgestopfte Eichenräder werden nacheinander angezündet und in Bewegung gesetzt - den steilen Hang des Osterberges hinunter in Richtung der Emmer, eines kleinen Flusses.


Das Anzünden und Starten der Osterräder

Kanonenschüsse künden das bevorstehende Losrollen jedes Rades an, und die Menschen halten den Atem an vor Erwartung. Jedesmal, wenn ein Rad seinen wilden Lauf ins Tal beginnt, läutet eine Kirchenglocke als Symbol dafür, daß dieser heidnische Brauch in den christlichen Kalender übernommen wurde. Mitzuerleben, wie die Feuerbälle den Hügel hinunterstürzen, hinein in die Dunkelheit im Tal, bleibt unvergeßlich. Trotz aller Versuche, die Bedeutung dieses Brauches zu christianisieren, bleibt er eine archaische Beschwörung des erwachenden Frühjahrs: der Triumph der Sonne über die Tyrannei des Winters.


Die Osterräder auf ihrem Weg ins Tal
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