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ie frühesten schriftlichen Aufzeichnungen über das Phänomen der Osterräder in Lügde stammen aus dem Jahr 784 neuer Zeitrechnung. Man glaubt aber, daß die Tradition sehr viel älter ist, und daß sie in den vorchristlichen Religionen der germanischen und keltischen Stämme wurzelt. Räder und Radkreuze als Symbol der am Himmel kreisenden Sonne sind in der Mythologie der altertümlichen Welt überall zu finden. Die altertümliche indo-germanische Welt war von der Vorstellung geprägt, die Sonne sei ein himmlischer Kriegsgott, der in einem Kampfwagen seine Bahnen über den Himmel zieht. Diese Vorstellung entsprang aus der Abhängigkeit der Nomaden vom Pferd. Die Verbindung zwischen der altertümlichen Sonnensymbolik und den Bilder von den Feuerrädern in Lügde ist offensichtlich.


Der Sonnenwagen, Denkmal aus Trundholm, Dänemark

Als sich die Germanen vom Nomaden- zum seßhaften Hirtenstamm entwickelten, veränderte sich auch ihre Beziehung zu den Kräften der Natur. In ihrer Weltsicht, die durch die Anbetung vieler Götter geprägt war, finden wir nun ein hochentwickeltes zyklisches Konzept von Zeit und Raum. Das ausgeprägte Bewußtsein für die Zyklen der Natur, von Sonne und Mond, gab den Anstoß für die Idee vom Jahresrad. Der vorchristliche Kalender war gedacht als ein sich endlos drehendes Rad, das durch die Winter- und Sommersonnenwende und durch die Frühjahrs- und Herbsttagundnachtgleiche in Viertel geteilt war, unter Volkskundlern auch bekannt als Vierteltage.


Das keltische Jahresrad

Megalithische Orte wie etwa Stonehenge zeigen, wie bedeutsam die Einteilung der Zeit für die altertümlichen Menschen war, denn auch diese Steingebilde ähneln mit ihrer auf die Zeit bezogenen Struktur dem vorchristlichen Kalender. Andere prähistorische Erdanlagen sind ebenfalls nach der Position der Sonne ausgerichtet, basierend auf einem achtspeichigen Rad durch gedachte Linien in der Mitte jedes Jahresviertels. Die dieser Einteilung entsprechenden Feste und Rituale, von denen einige bis in die heutige Zeit überlebt haben, wurden zelebriert, um die Zeitabläufe angemessen zu würdigen und den Erfolg der beginnenden Ackerwirtschaft zu bestärken.


Stonehenge: megalithischer Kalender

Der Osterräderlauf wird auf einer der Schlüsselpositionen des vorchristlichen Kalenders zelebriert, der Frühjahrstagundnachtgleiche. Dieser Tag markiert die Wiederkehr des Frühjahrs, die Geburt des neuen Jahres, dem der 'Tod' im Winter folgt.

Jakob Grimm, wies darauf hin, daß in Deutschland der Osterräderlauf über Hänge und Hügel weitverbreitet war, und nennt als Beispiel Lünsberg bei Ramesdorf.

In seiner "Deutschen Mythologie" von 1835 schrieb er weiter:

"Alle Kulturen, die im gemäßigten Klima leben oder durch den Winter dominiert sind, zelebrieren den Beginn des Frühjahrs durch bedeutende Rituale und Feste. Eines der wichtigsten Frühlingsfeste der vorchristlichen germanischen Stämme war offensichtlich Ostara, der teutonischen Göttin der Fruchtbarkeit, gewidmet. Sie wird mit dem Osten, der Morgenröte und dem Morgenlicht in Verbindung gebracht."

Zitiert aus: "Ostaras Home Page" von D.L. Ashliman

Der viktorianische Volkskundler H.A. Gürberbeschreibt noch andere Rituale mit offensichtlich vorchristlichen Ursprüngen, die in Deutschland der Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostara gewidmet waren

nämlich Altare, Ostersteine genannt, die "von jungen Leuten mit Blumen geschmückt und mit Freudenfeuern umgeben wurden, und dann wurde auf der linken Seite getanzt ."

Zitiert aus: The Druidheachd

In der Gegend von Lügde, und auch anderswo in Deutschland, ist es auch heute noch ein ganz alltäglicher Anblick, daß sich jedes Jahr zu Ostern viele Menschen an den Osterfeuern erfreuen.

Eines ist sicher: die ursprüngliche Bedeutung des Osterräderlaufes liegt nicht in dem christlichen Fest zur Auferstehung Christi, sondern im Zelebrieren der Frühlingsgöttin Ostara. Den Namen "Ostern" hat sich die christliche Kirche zu eigen gemacht, als germanische "Heiden" zum Christentum bekehrt wurden. Eine Folge der Christianisierung der germanischen Stämme war, daß viele ihrer vorchristlichen Bräuche in den Untergrund gerieten, lebendig gehalten allein durch das Landvolk, das weiterhin glaubte, daß ihr Leben tatsächlich davon abhing, die richtigen Zeremonien zur richtigen Jahreszeit zu begehen.

Die Osterräder sind ein beachtliches Zeugnis für die Bewohner von Lügde; sie haben durch alle Jahrhunderte hindurch diese Tradition erfolgreich bewahrt.
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Querverweise:

Ostara's Home Page

Germanic Myths Legends and Sagas

Ostara: circa March 25

Stonehenge

Externsteinen, Teutoburger Wald

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